Nur mal kurz ein Zweibein lackieren...

Wer uns kennt, der weiß, dass wir als Waffen-Tuner sehr großen Wert auf Qualität legen. Was verstehen wir aber tatsächlich unter Qualität?

Oft erreichen uns Anfragen von Kunden, welche gerne mal „kurz“ ein Waffenzubehörteil oder eine Waffe lackiert haben möchten. Wenn wir dann die Kosten für unsere Arbeit nennen, hören wir von vielen danach nichts mehr. Es kommt auch vor, dass sich hin und wieder ein Interessent doch nochmal meldet und uns vorwirft, dass wir „eine Apotheke“ sind und die Preise völlig übertrieben wären. Gerne fragen wir dann beim Kunden nach, wie er sich es vorstellt, was wir denn alles so machen müssen um das Zubehörteil umzulackieren.

Was viele Kunden denken

Das Zubehörteil wird in die Lackierkabine gelegt, man sprüht darüber – fertig. Das kann ja nicht die Welt kosten!

Warum das so nicht geht

Waffenzubehörteile und Waffen sind mechanische Geräte, bei denen es auf Präzision und Funktionalität ankommt. Bedeutet, jedes Teil ist im Regelfall mit entsprechenden Toleranzen gefertigt, welche so ausgelegt sind, dass sie mit einer Lackschicht die optimalen Ausmaße haben.

Lackiert man einfach über, ohne den alten Lack zu entfernen, dann hat man zwei Lackschichten stärke und sprengt oftmals die Toleranz des Teils. Kurzum, nun klemmt, schert oder presst das Teil. Unschön, wenn dann der Upper-Receiver nur noch schwergängig vom Lower aufklappt, die Füße nicht mehr richtig aus dem Zweibein ausfahren, der Verschluss nicht mehr richtig läuft usw. ….

Lackiert man z.B. einfach nur über, ohne das Teil zu zerlegen, dann wird der Lack an Verbindungsstellen durch Wärmeausdehnung, Bewegung usw. einfach nur abplatzen.

Einfach überlackieren ist also keine Lösung. Zumindest dann nicht, wenn man einen Qualitätsanspruch hegt und nicht einer der vielen Hinterhof-Tuner sein möchte.

Wie funktioniert es richtig?

Am Beispiel eines Harris S-BRM Zweibeins beschreiben wir an dieser Stelle, wie man richtig vorgeht.

Wir zerlegen zuerst das Zweibein in sämtliche Einzelteile. Beim S-BRM sind dies unglaubliche 53 Teile! Die Dauer die man benötigt um das Zweibein zu zerlegen liegt bei ca. 30 Minuten und man hat viel Spaß anhand der zöllischen Schrauben und Gewinde.

Danach geht es in die Strahlkabine. Hier verbringt man ca. weitere 30 Minuten nur mit dem entlacken der Teile. Anhand der vielen Kleinteile muss man etwas Kreativität walten lassen, denn nur mit Hilfsmitteln kann man diese mit den dicken Handschuhen der Strahlkabine noch greifen. Oft heißt es, Kabine auf, Klemme auf, Teil umdrehen, Klemme zu, Kabine zu, weiter.

Danach werden alle zu lackierenden Teile in Lösungsmittel entfettet. Nun geht es in die Lackierkabine. Im Regelfall lackieren wir Cerakote der H-Serie (2 Komponenten, Ofen trocknend) oder bei sensibleren, nicht ganz so hitzebeständigen Teilen die C-Serie (1 Komponenten, Luft trocknend).

Zwischenstand: ca. 70 Minuten Arbeitszeit bisher

Der Lackiergang (Kabine / Airbrush oder Pistole / Lack) wird ca. 10 Minuten vorbereitet. Die Teile werden für das Lackieren vorbereitet, indem wir diese mit Draht oder auf Klemmen befestigen, so dass wir diese nachher komplett lackieren können. Bei manchen Teilen geht dies nicht, weshalb man manchmal sogar einen weiteren Lackiergang ansetzen muss.

Hierbei lassen wir Lackierungen mit zwei oder mehreren Farben (Tarnmuster, Schablonierungen usw.) völlig aus, denn dies sprengt den Kostenrahmen erheblich und viele Prozesse müssen mehrfach wiederholt werden.

Das Lackieren dauert weitere ca. 30 Minuten. Danach wandern die Teile in den Ofen zum trocknen. Währenddessen reinigt man die Lackierpistole und Kabine, weitere 10 Minuten sind hierfür notwendig.Nach dem Trocknen begutachten wir sämtliche Teile. Im Regelfall passt alles, ging aber einmal was schief, muss das Spiel bei dem Teil von vorne gestartet werden (strahlen etc. - alles neu). Ist alles korrekt, bauen wir das Zweibein wieder zusammen, auch hierfür benötigen wir weitere 30 Minuten, meist länger, denn man möchte auf keinen Fall die frisch lackierten Teile verkratzen.


Endstand: ca. 150 Minuten Arbeitszeit für ein Zweibein – 2 ½ Stunden.

Hinzu kommt Verbrauchsmaterial wie der teure Keramiklack, Klebeband, Lösungsmittel, Strom usw..

Fazit

Eine professionelle Umlackierung ist etwas völlig anderes, als das was so Mancher sich darunter vorstellt. Viele unserer Tuning-Kollegen leisten hier ebenfalls hervorragende Arbeit, während andere einfach nur pfuschen. Hier ist jeder gut beraten sich bei einem vermeintlich hervorragenden Angebot über die geplanten Arbeitsschritte vorab zu informieren – denn auch hier gilt, wer günstig kauft, kauft oft zweimal.

Bedenkt man, dass eine Facharbeiter-Stunde in Deutschland am unteren Limit mit 60€ (Netto) die Stunde angesetzt wird, wäre also die reine Arbeitszeit am Beispiel des Harris Zweibeins bereits 178,50 €. Dies ohne den teuren Cerakote Lack (100ml = ca. 40€) und ohne Verbrauchsmaterial, Versand für Verbrauchsmaterial, Strom usw.. Man würde locker über 250€ kommen.

Das abzurufen wäre aber nahezu immer der Wahnsinn für die Kunden, weshalb die meisten Tuner deutlich unter diesen Preisen anbieten und die Zeit nicht als größten Faktor berücksichtigen, so auch wir. Der Markt ist durch eben zuvor beschriebene Pfuscher bereits kaputt gemacht worden und es hat sich ein falsches Preisverständnis gebildet - leider. Wenn es also mehrere Zubehörteile oder Waffen mit dem selben Farbton sind, dann spart man Zeit und kann auch entsprechend den Preis halten. Sonderfarben sind immer ein Problem, weil diese man im Regelfall nicht lagernd. Hat zur Folge, dass man die Mindestmenge bei Cerakote eh abnehmen muss (100ml), der Lack aber danach nie wieder benötigt wird – zumindest nicht im Haltbarkeitszeitraum. Man hat also (inkl. Versand) knapp 50€ Lackkosten die so oder so anfallen.

Das Lackieren lohnt sich also meist nicht wirklich, es sei denn man hat entsprechende Stückzahlen oder verkauft über dies auch die Produkte die man lackiert. Dann macht die Mischkalkulation durchaus Sinn.Dies geht aber nur, wenn man bereit ist als Selbstständiger auch nach den offiziellen Öffnungszeiten seine Zeit in der Lackierkabine und/oder Werkstatt zu verbringen – aber ehrlich, es macht auch immer wieder saumäßig Spaß derartiges zu erschaffen! Dies ist zumindest unser Antrieb.

Zu unserer aktuellen Preisliste für Cerakote Lackierungen geht es HIER!

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